Wie können Sie Ihre Einkaufsstrategien mit TCO2 im Sinne von Umweltverantwortung neu ausrichten?

Um der globalen Erwärmung entgegenzuwirken, stellen sich Wirtschaftsakteure zunehmend auf – mit dem zentralen Ziel des Pariser Abkommens: Netto-Null-Emissionen bis 2050. In diesem Kontext etabliert sich TCO2 (Tonne CO₂-Äquivalent) als wesentliches Instrument zur Bewertung des CO₂-Fußabdrucks. Da Einkaufsabteilungen eine zentrale Rolle in der Dekarbonisierungsstrategie ihrer Organisation spielen, sollten sie diesen Indikator sicher beherrschen.

Was ist die Tonne CO₂-Äquivalent (TCO2)?

TCO2 ist eine Maßeinheit zur Bewertung der Umweltwirkung verschiedener Treibhausgase und zur Zusammenführung ihrer Emissionen. Der Indikator ermöglicht es, unterschiedliche Treibhausgase in eine einzige Einheit umzurechnen: CO₂-Äquivalent. Er tritt unter verschiedenen Bezeichnungen auf: CO₂-Äquivalent, TCO2, tCO2-Äq., eq CO2, COeq, CO2e …

Warum liegt der Fokus auf CO₂?

Heute gilt Kohlendioxid (CO₂) als das wichtigste Treibhausgas, das für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Gründe sind seine hohe Konzentration in der Atmosphäre, sein überwiegend menschlicher Ursprung, seine starke Wirkung auf den Treibhauseffekt und seine lange Verweildauer in der Atmosphäre. Deshalb ist CO₂ zum Referenzwert im Kampf gegen die Klimakrise geworden.

Ein Referenzindikator

Das CO₂-Äquivalent wurde vom IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) geschaffen, um Emissionen verschiedener Treibhausgase anhand ihres „Global Warming Potential“ (GWP/PRG) zu vergleichen – also ihrer Erwärmungswirkung über die Zeit, in der sie in der Atmosphäre aktiv bleiben. Da CO₂ als Referenzgas definiert ist, wird sein GWP auf 1 festgelegt.

Jedes Treibhausgas hat eine eigene Lebensdauer und ein eigenes GWP – daraus ergibt sich sein CO₂-Äquivalent. Beispiel: Methan hat über 100 Jahre ein 25-fach höheres GWP als CO₂. Eine Tonne Methan entspricht somit 25 Tonnen CO₂ in einer Treibhausgasbilanz.

Kurzum: TCO2 vereinfacht Vergleiche, Analysen und Kommunikation der Auswirkungen verschiedener Treibhausgase. So lässt sich die CO₂-Bilanz von Ländern, Organisationen oder Individuen klar darstellen.

Zur Erinnerung: Im Kyoto-Protokoll werden sechs Treibhausgase erfasst:

  • Kohlendioxid (CO₂): Verbrennung fossiler Energien, Viehzucht und intensive Landwirtschaft, Entwaldung …
  • Methan (CH₄): Rinderhaltung, Flüsse und Deponien …
  • Distickstoffoxid (N₂O): Kälte- und Automobilindustrie, übermäßige Düngung …
  • Fluorkohlenwasserstoffe (HFC): Klima- und Kältesysteme …
  • Perfluorkohlenwasserstoffe (PFC): Klima- und Kältesysteme, Feuerlöscher …
  • Schwefelhexafluorid (SF₆): elektrische Anlagen und Halbleiter …

Berechnung des CO₂-Fußabdrucks

Ausgangspunkt im Kampf gegen den Klimawandel ist die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks. Dazu identifiziert man die relevanten Treibhausgase einer Aktivität und übersetzt sie in CO₂-Äquivalente.

Folgt man der CO₂-Bilanz-Methode, basiert die Berechnung auf Emissionsfaktoren – dem durchschnittlichen Emissionswert einer Quelle in Bezug auf die betrachtete Aktivität.

Es gibt zwei Hauptarten von Emissionsfaktoren:

  • Physischer Emissionsfaktor: Menge CO₂ pro konsumierter Einheit.
    • Beispiel: Eine Fährfahrt emittiert im Durchschnitt 5 kg CO₂ (Emissionsfaktor) pro km (konsumierte Menge).
      → Emissionen in CO₂-Äquivalent = konsumierte Menge × physischer Emissionsfaktor
  • Monetärer Emissionsfaktor: Menge CO₂ eines Produkts/Services anhand seines Preises.
    • Beispiel: Eine Tafel Schokolade emittiert im Durchschnitt 0,253 kg CO₂ (Emissionsfaktor) pro Euro (Preis).
      → Emissionen in CO₂-Äquivalent = Preis × monetärer Emissionsfaktor

Emissionsfaktoren dienen damit der Umrechnung von Aktivitäts-, Produkt- oder Servicedaten in Treibhausgasemissionen. Internationale Organisationen (GHG Protocol, ADEME, DEFRA …) stellen Datenbanken mit Standard-Emissionsfaktoren bereit. Für höhere Genauigkeit sind jedoch spezifische Emissionsfaktoren vorzuziehen.

TCO2: Wie integrieren Sie es in den Einkauf?

Einkaufsabteilungen sind besonders gut positioniert, um Scope-3-Emissionen zu reduzieren – also indirekte Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette. Dazu gehören u. a. der Einkauf von Produkten und Dienstleistungen, Transport und Distribution upstream und downstream, Verarbeitung verkaufter Produkte …

Um ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren, müssen Einkaufsleitungen alle Emissionskategorien identifizieren. Für jede Kategorie sind Aktivitätsdaten zu erfassen (Kraftstoffverbrauch, transportierte Tonnen-km …) und anschließend Emissionsfaktoren anzuwenden, um sie in eine Treibhausgasmenge in CO₂-Äquivalent umzuwandeln.

Diese Analyse zeigt, welche Kategorien den Großteil der Emissionen verursachen – häufig Einkauf von Produkten/Services oder upstream/downstream-Transport. So können Einkäufer Prioritäten für CO₂-Reduktionspotenziale setzen und Maßnahmen mit klaren Zielen definieren – etwa umweltverantwortliche Produkte bevorzugen, Logistik optimieren oder Servicelevel steuern.

Sie sehen: Die Integration von CO₂-Äquivalenten ist zentral für jede Dekarbonisierung. Mit diesem Instrument können Unternehmen ihre Einkaufsstrategien im Sinne von Öko-Innovation neu ausrichten – mit verantwortungsvolleren Lieferanten sowie nachhaltigeren Produkten und Services. Langfristig hilft das, Compliance sicherzustellen, sich im Markt zu differenzieren und nachhaltiges Wachstum zu sichern.

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