Wie lässt sich die klimatische Resilienz Ihres Unternehmens stärken?

Der Klimawandel ist bereits Realität: Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme …

Laut dem World Economic Forum zählen extreme Wetterereignisse zu den größten Risiken, die kurz-, mittel- und langfristig globale Krisen auslösen können. Vor diesem Hintergrund wird der Aufbau klimatischer Resilienz zu einem strategischen Imperativ.

Unternehmen sind daher gut beraten, Anpassungspläne zu entwickeln und umzusetzen. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, die notwendigen Maßnahmen zu identifizieren und zu planen, um den Folgen des Klimawandels wirksam zu begegnen. Dies erfolgt in drei zentralen Schritten – von der Bewertung der Klimarisiken bis hin zur Steuerung und Überwachung der Umsetzung.

Info: Das Konzept der klimatischen Resilienz

Klimatische Resilienz bezeichnet die Fähigkeit einer Organisation, klimabedingte Störungen zu antizipieren, sich daran anzupassen und sich davon zu erholen. Ein resilientes Unternehmen hat seine Klimarisiken identifiziert und die erforderlichen Maßnahmen umgesetzt, um diese kurz- und langfristig wirksam zu steuern.

Schritt Nr. 1: Klimarisiken bewerten

Der erste Schritt eines Plans zur klimatischen Resilienz besteht darin, eine kombinierte Analyse der Exposition und Verwundbarkeiten des Unternehmens sowie der klimatischen Gefahren vorzunehmen, die sich auf seine Aktivitäten auswirken können. Dazu analysiert das Unternehmen seine operativen Herausforderungen, frühere Schäden und Störungen sowie aktuelle wissenschaftliche Prognosen.

Zunächst werden physische Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette untersucht. Dies betrifft unter anderem Beschaffung, Infrastrukturen und Anlagen, operative Abläufe sowie Logistik. Das Unternehmen kartiert sämtliche Interaktionen und Materialflüsse und priorisiert deren Kritikalität. Während eine Aktivität möglicherweise mit 50 % Kapazität weiterlaufen kann, ist bei anderen keinerlei Prozessunterbrechung akzeptabel.

Im nächsten Schritt werden die unterschiedlichen klimatischen Gefahren identifiziert, die für das Unternehmen relevant sind. Diese reichen von Erdrutschen bei Standorten in Bergregionen bis hin zu Hitzewellen, die die Arbeitsbedingungen beeinträchtigen können. Für jede Gefährdung werden die potenziellen Auswirkungen auf die Prozesse bewertet (Dauer von Unterbrechungen, Umsatzverluste, Kostensteigerungen …). Ziel ist es letztlich, alle Klimarisiken zu priorisieren.

Schritt Nr. 2: Einen Maßnahmenplan definieren

Im zweiten Schritt wird ein Anpassungsplan entwickelt. Dabei geht es darum, geeignete Anpassungsstrategien zu identifizieren und diese Maßnahmen nach Wirksamkeit, Kosten und Umsetzungszeitraum zu priorisieren. Die Maßnahmen können technischer Natur sein (bauliche Anpassungen, Ausrüstung …), organisatorischer Art (Prozesse, Schulungen …) oder naturnah (Begrünung, Beschattung …).

Der Anpassungsplan umfasst die Liste der Maßnahmen, den Umsetzungszeitplan, klare Rollen und Verantwortlichkeiten sowie die verfügbaren Ressourcen.

Diese Phase erfordert die Einbindung aller Stakeholder: intern der Geschäftsleitung, der operativen Bereiche und der Personalabteilung – extern der Kunden, Lieferanten und sogar der öffentlichen Hand.

Man unterscheidet drei zentrale Kategorien von Maßnahmen:

  • Kurzfristig: sogenannte „Quick Wins“ mit geringen Kosten, z. B. die Anschaffung von Notfallausrüstung, Schulungen oder die Einführung von Notfallprotokollen;
  • Mittelfristig: strukturelle Investitionen wie die Verbesserung von Frühwarn- oder Kühlsystemen oder die Diversifizierung der Logistik;
  • Langfristig: strategische Maßnahmen wie die Anpassung von Geschäftsaktivitäten oder die Verlagerung bestimmter Standorte.

Info: Wussten Sie schon?
Ohne Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel werden die klimabedingten finanziellen Kosten im Durchschnitt rund 3,3 % pro Jahr des Wertes realer Vermögenswerte ausmachen – und könnten bis 2050 sogar bis zu 28 % erreichen. Ein starkes Argument für langfristige Investitionen in die klimatische Resilienz Ihres Unternehmens.

Maßnahmen innerhalb der Einkaufsabteilungen

Um die klimatische Resilienz sicherzustellen und die Fähigkeit der Lieferanten zu bewerten, ihre Aktivitäten auch im Krisenfall aufrechtzuerhalten, können Unternehmen zunächst gezielte Fragen stellen: Haben die Lieferanten ihre wichtigsten Klimarisiken identifiziert? Gibt es einen Aktionsplan im Umgang mit Klimawandelfolgen und Naturkatastrophen? Sind sie nach ISO 22301 (Business Continuity Management) zertifiziert?

Anschließend gilt es, die Beschaffungs- und Supply-Chain-Strategien anzupassen.

„Für Einkaufsabteilungen gibt es zahlreiche Instrumente und bewährte Praktiken, um die negativen Auswirkungen der Erderwärmung auf ihre Lieferketten zu begrenzen. Zunächst sollten sie ihre Lieferantenportfolios sowie ihre Niederlassungen geografisch diversifizieren“, betont Romain Nocente, Rohstoffanalyst bei der SVP-Gruppe.

Darüber hinaus können spezifische Kriterien in Ausschreibungen integriert, Anpassungsklauseln in Verträge aufgenommen, Transportarten diversifiziert sowie die Supply Chain digitalisiert und abgesichert werden.

Schritt Nr. 3: Die Umsetzung steuern

Abschließend muss der Plan zur klimatischen Resilienz aktiv gesteuert, regelmäßig aktualisiert und tief in die Organisation integriert werden. Dazu gehört die Benennung einer verantwortlichen Person sowie die Einführung geeigneter Steuerungskennzahlen: klimabedingte Vorfälle, Fortschritt bei der Umsetzung der Maßnahmen, Wirkung der ergriffenen Aktionen …

So lässt sich die Wirksamkeit der Maßnahmen bewerten und sicherstellen, dass die Risiken auf ein akzeptables Niveau reduziert werden oder gegebenenfalls eine Neubewertung erforderlich ist.

Diese Vorgehensweise muss fest in der Governance und den Entscheidungsprozessen verankert werden. Der Resilienzplan kann beispielsweise in Vorstandsgremien, Investitionspläne und die CSR-Strategie (Corporate Social Responsibility) integriert werden. Ebenso kann er mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang gebracht werden, um zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beizutragen.

Wie bei jedem Transformationsprojekt hängt der Erfolg eines Plans zur klimatischen Resilienz auch von der Akzeptanz der Mitarbeitenden ab. Dies beginnt mit einer klaren Kommunikation der Ziele und erwarteten Vorteile sowie der Formalisierung bewährter Praktiken. Darüber hinaus können Sensibilisierungskampagnen oder praxisorientierte Workshops umgesetzt werden.

Info: Fokus auf die „Fresque du Climat“
Bei Manutan setzen wir auf die Fresque du Climat. Diese pädagogischen und kollaborativen Workshops sensibilisieren für die Herausforderungen des Klimawandels, sodass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter diese versteht und entsprechend handeln kann. Das Format ist spielerisch, partizipativ und kreativ und lädt dazu ein, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge des Klimawandels zu rekonstruieren und mögliche Lösungsansätze zu erkunden.

Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, ob ein Unternehmen vom Klimawandel betroffen sein wird, sondern wann und wie es sich darauf vorbereitet. Über das reine Risikomanagement hinaus bietet sich die Chance, eine agilere und wettbewerbsfähigere Organisation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung aufzubauen.

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