Welche 6 Vorteile bietet die Integration der Kreislaufwirtschaft im Unternehmen?

Wirtschaftliche Akteure zeigen ein stetig wachsendes Interesse an der Kreislaufwirtschaft. Im Gegensatz zum „Wegwerfmodell“ der linearen Wirtschaft steht dieses Produktions- und Konsummodell für einen nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Ansatz. Ziel ist es, wirtschaftliches Wachstum von der Belastung der natürlichen Ressourcen zu entkoppeln. Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile der Kreislaufwirtschaft, die wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Stabilität ihrer Geschäftstätigkeit beiträgt.

Produktionskosten senken

Einer der zentralen Vorteile der Kreislaufwirtschaft für Unternehmen liegt in sogenannten „intelligenten Einsparungen“. Durch eine optimierte Nutzung von Ressourcen können Organisationen ihre Produktionskosten deutlich reduzieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit am Markt nachhaltig stärken.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) schätzt, dass Rohstoffe zwischen 30 und 50 % der Produktionskosten von Unternehmen ausmachen. Da die Europäische Union nahezu die Hälfte der von ihr verbrauchten Rohstoffe importiert, betont der Ausschuss, dass eine effizientere Ressourcennutzung Einsparungen von bis zu 600 Milliarden Euro pro Jahr ermöglichen könnte. Jedes Unternehmen ist daher gefordert, seinen Beitrag zu leisten und zugleich eigene wirtschaftliche Vorteile daraus zu ziehen.

Vorschriften einhalten oder sogar antizipieren

Die regulatorischen Anforderungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft nehmen weltweit zu. Die Unternehmensberatung Ernst & Young hat hierzu eine aufschlussreiche Studie mit dem Titel „Regulatory landscape of the circular economy“ veröffentlicht.

Diese Analyse zeichnet die globale Entwicklung der Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft nach und erinnert daran, dass Japan bereits in den 1990er-Jahren eine Vorreiterrolle einnahm, gefolgt von China mit dem Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Jahr 2008. Anschließend folgte die Europäische Union mit ihrem Fahrplan für ein ressourceneffizientes Europa (2011) sowie dem Maßnahmenpaket und Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft (2014 und 2015). In der Folge haben zahlreiche weitere Länder entsprechende Initiativen ergriffen, darunter Deutschland, Ecuador, Kanada, die USA, Ruanda und Südkorea.

Heute haben nahezu alle Regierungen Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft eingeleitet – ein Trend, der sich in der globalisierten Wirtschaft weiter verstärken dürfte. Unternehmen haben somit kaum eine Alternative zur Integration der Kreislaufwirtschaft, um regulatorische Konformität sicherzustellen. Besonders fortschrittliche Unternehmen können künftige Anforderungen sogar vorwegnehmen und sich dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Ressourcen und Rohstoffe effizient nutzen

Das weltweite Bevölkerungswachstum führt zu einem exponentiellen Anstieg des Ressourcenbedarfs, obwohl diese Ressourcen begrenzt sind. Der unabhängige Thinktank Global Footprint Network weist darauf hin, dass die Menschheit derzeit etwa 1,75 Erden benötigen würde, um ihren jährlichen Verbrauch zu regenerieren. Zudem ist diese biologische Kapazität weltweit ungleich verteilt: Mehr als 70 % der Weltbevölkerung leben demnach in Ländern, in denen die verfügbaren Ressourcen nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.

Ein zentrales Prinzip der Kreislaufwirtschaft ist daher der Erhalt und die Optimierung natürlicher Ressourcen. Angesichts zunehmender Knappheit und wachsender Konkurrenz um Rohstoffe werden Unternehmen, die frühzeitig auf Kreislaufwirtschaft setzen, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network, bringt es auf den Punkt: „Die Einführung zirkulärer Lösungen eröffnet Unternehmen eine außergewöhnliche Chance, in absehbarer Zukunft erfolgreich zu sein. Zahlreiche Beispiele zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in diesen Ansätzen steckt.“

Zum Schutz von Umwelt und Mensch beitragen

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Kreislaufwirtschaft besteht in ihrem positiven Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt. Dieses Wirtschaftsmodell zielt darauf ab, Umweltbelastungen wie Treibhausgasemissionen, Umweltverschmutzung und Abfall zu reduzieren und gleichzeitig nachhaltiges Wachstum sowie Beschäftigung zu fördern.

Laut Circle Economy stammen rund zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Gewinnung, Verarbeitung und Herstellung von Konsumgütern. Die Organisation betont zudem, dass die Kreislaufwirtschaft – insbesondere Recycling und Wiederverwertung von Produkten am Ende ihres Lebenszyklus – das Potenzial hat, diese Emissionen um etwa 39 % zu senken. Dies würde mehrere Milliarden Tonnen CO₂ einsparen und dazu beitragen, die globale Erwärmung auf 2 °C zu begrenzen – im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens. Damit spielt die Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle in der Energie- und Umweltwende.

Geschäftliche Chancen nutzen

Ein weiterer Vorteil der Kreislaufwirtschaft liegt in der Erschließung neuer Märkte, die bislang wenig oder gar kein Interesse an bestimmten Produkten oder Dienstleistungen zeigten. Durch die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaftsstrategie können Unternehmen innovative Geschäftsmodelle entwickeln, etwa Produktleasing, den Verkauf von Ersatzteilen oder die Wiederverwendung von Rohstoffen. Diese Ansätze eröffnen neue Wege, um Marktbedürfnisse zu bedienen und gleichzeitig Innovation zu fördern.

Eine gemeinsame Studie von Accenture, dem World Economic Forum und dem World Business Council for Sustainable Development zeigt, dass Automobilhersteller ihre Wertschöpfung um bis zu 50 % steigern und Einnahmen erzielen könnten, die das 15- bis 20-Fache des ursprünglichen Verkaufspreises eines Fahrzeugs betragen, wenn sie Kreislaufwirtschaft konsequent in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Diese Erträge resultieren vor allem aus Leasingmodellen, Carsharing, Mobility-as-a-Service (MaaS) sowie aus Reparatur- und Recyclingaktivitäten über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Engagement der Stakeholder stärken

Unternehmen, die sich der Kreislaufwirtschaft verschreiben, mobilisieren auch ihre Stakeholder – von Kunden über Mitarbeitende bis hin zu Partnern und Lieferanten.

Eine aktuelle Studie des Capgemini Research Institute zeigt, dass mehr als 70 % der Verbraucher bereit wären, zirkuläre Praktiken zu übernehmen, etwa durch den Kauf langlebiger Produkte oder durch Wartung und Reparatur zur Verlängerung der Produktlebensdauer.

Es ist daher zu erwarten, dass dieses Wirtschaftsmodell zunehmend das gesamte Ökosystem durchdringt und jeder Akteur diese Dynamik auf seine Weise aufgreift. Dies trägt dazu bei, Kunden zu gewinnen und zu binden, engagierte Mitarbeitende zu rekrutieren und zu halten sowie neue Formen der Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten zu entwickeln, die ähnliche Werte und Überzeugungen teilen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Vorteile der Kreislaufwirtschaft eng miteinander verknüpft sind. Sie schaffen eine positive Dynamik für Unternehmen, deren Ökosysteme und die Gesellschaft insgesamt. Dieser Paradigmenwechsel eröffnet neue Perspektiven für eine regenerative Wirtschaft der Zukunft – nun liegt es an den Unternehmen, diese Chancen aktiv zu nutzen.

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