Product-as-a-Service (PaaS): Strategischer Hebel für eine agilere und leistungsfähigere Beschaffung

Das Product-as-a-Service-Modell (PaaS) basiert darauf, nicht das Produkt selbst zu erwerben, sondern dessen Nutzung oder Leistung. Es ist Teil der Kreislaufwirtschaft und trägt dazu bei, Ressourcen effizienter einzusetzen, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Abfälle zu reduzieren. Gleichzeitig stärkt dieses Modell die Liquidität, verbessert die operative Effizienz und erhöht die Agilität von Unternehmen angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Product-as-a-Service?
  • Welche Vorteile bietet Product-as-a-Service?
  • Wie lässt sich Product-as-a-Service in die Beschaffung integrieren?

Unter den zahlreichen Hebeln der Kreislaufwirtschaft gewinnen Product-as-a-Service (PaaS)-Modelle zunehmend an Bedeutung. Unternehmen erwerben dabei nicht mehr das Produkt selbst, sondern dessen Nutzung als Dienstleistung. Dadurch erhalten sie Zugang zu leistungsfähigen Lösungen inklusive wertsteigernder Services – bei deutlich geringeren Anfangsinvestitionen.

In einem wirtschaftlichen Umfeld, das von Lieferengpässen und Inflation geprägt ist und in dem Unternehmen ihre Ressourcen möglichst effizient einsetzen müssen, entwickelt sich Product-as-a-Service mehr denn je zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Was ist Product-as-a-Service (PaaS)?

Mit Product-as-a-Service (PaaS) wechseln Unternehmen in die sogenannte Funktions- oder Nutzungsgesellschaft (Functional Economy). Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Besitz eines Produkts, sondern dessen Nutzung oder die erzielte Leistung.

PaaS-Angebote umfassen in der Regel verschiedene Dienstleistungen wie:

  • Kundenberatung
  • Installation
  • Schulung
  • Wartung
  • Asset Management
  • Datenanalyse

Dieses Modell ist besonders im IT- und Mobilitätssektor verbreitet, lässt sich jedoch auf zahlreiche weitere Branchen und Anwendungsbereiche übertragen.

Innerhalb dieses Modells bleibt der Anbieter während des gesamten Produktlebenszyklus Eigentümer des Produkts und trägt die Verantwortung sowie die damit verbundenen Risiken.

Dadurch hat er ein starkes Interesse daran, die Lebensdauer seiner Produkte zu verlängern und die Ressourcennutzung zu maximieren.

Das Product-as-a-Service-Modell kann verschiedene Formen annehmen:

  • Klassische Miete: Das Unternehmen nutzt ein Produkt für einen festgelegten Zeitraum und zahlt dafür eine Mietgebühr.
  • Pay-per-Use: Das Unternehmen bezahlt entsprechend der tatsächlichen Nutzung oder des Verbrauchs, während der Anbieter Wartung und Aktualisierungen übernimmt.
  • Pay-per-Performance: Die Vergütung richtet sich nach der Erreichung definierter Leistungskennzahlen oder Ergebnisse. Der Anbieter stellt sicher, dass diese Leistungsziele erreicht werden.
  • Abonnementmodell: Das Unternehmen entrichtet in regelmäßigen Abständen eine Gebühr für den Zugang zu einem Produkt oder einer Dienstleistung innerhalb eines definierten Zeitraums. Wartung und Updates werden vollständig vom Anbieter übernommen.

Welche Vorteile bietet Product-as-a-Service (PaaS)?

Neben seinem Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaft bietet Product-as-a-Service (PaaS) Unternehmen zahlreiche strategische und operative Vorteile.

Die Liquidität verbessern

Mit Product-as-a-Service (PaaS) werden Investitionsausgaben (CAPEX) in Betriebsausgaben (OPEX) umgewandelt. Unternehmen müssen keine hohen Anfangsinvestitionen tätigen und schonen dadurch ihre Liquidität.

Darüber hinaus sind die Kosten planbar und kontinuierlich. Sie umfassen in der Regel auch Wartung, Modernisierung sowie das Management am Ende des Produktlebenszyklus.

Dadurch wird die Finanzplanung deutlich vereinfacht.

Die operative Effizienz steigern

Product-as-a-Service (PaaS) ermöglicht Unternehmen den Zugang zu leistungsfähigen und regelmäßig aktualisierten Produkten und Anlagen.

Dank garantierter Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus – beispielsweise Wartung, Reparaturen und Software-Updates – wird das Risiko technischer Ausfälle deutlich reduziert. Unternehmen und insbesondere ihre Mitarbeitenden können sich dadurch stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Mehr Flexibilität gewinnen

Das PaaS-Modell bietet Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität.

Sie können die Anzahl der eingesetzten Geräte oder Anlagen jederzeit an ihren tatsächlichen Bedarf anpassen und ihre Beschaffung entsprechend skalieren. Dadurch gewinnen Unternehmen an Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber Marktveränderungen oder externen Ereignissen.

Die ESG-Strategie unterstützen

Von Natur aus ist Product-as-a-Service Teil einer Kreislaufwirtschaft.

Da die Anbieter Eigentümer der Produkte bleiben, haben sie ein großes Interesse daran, langlebige, reparierbare und modular erweiterbare Produkte zu entwickeln.

Ziel ist es,

  • die Nutzung der Produkte zu maximieren,
  • ihre Lebensdauer zu verlängern,
  • den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren,
  • und das Abfallaufkommen nachhaltig zu verringern.

François Johnston, Präsident und Mitgründer von Johnston Circular, erklärt: „Bereits im Jahr 2004 identifizierte Arnold Tukker As-a-Service-Modelle als potenzielle Hebel für den Umweltschutz. Dabei stehen zwei wesentliche Hebel im Mittelpunkt. Der erste betrifft die Verpflichtung des Anbieters, ein definiertes Nutzungsergebnis und eine bestimmte Effizienz zu gewährleisten. Bei einem Product-as-a-Service-Vertrag unterscheidet sich die Beziehung grundlegend von einem klassischen Kaufvertrag, da sich der Anbieter gegenüber dem Nutzer zur Erreichung eines konkreten Ergebnisses verpflichtet. Diese serviciebasierten Modelle ermöglichen den Wandel von einer produktionsorientierten Mengenlogik hin zu einer Effizienzlogik – mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt. Denn je effizienter ein Anbieter arbeitet, desto rentabler wird sein Geschäftsmodell. Der zweite Hebel betrifft das Management des Produktlebensendes. Da es im Interesse des Anbieters liegt, möglichst wenige Primärrohstoffe einzusetzen, gewinnt das Produkt am Ende seines Lebenszyklus einen erheblichen wirtschaftlichen Wert. Um diesen Wert zurückzugewinnen, müssen Produkte wiederaufbereitet oder ihre Rohstoffe recycelt werden.“

Wie lässt sich Product-as-a-Service in die Beschaffungsstrategie integrieren?

Product-as-a-Service (PaaS) erfordert einen grundlegend anderen Ansatz als die klassische Beschaffung. Es geht nicht mehr nur darum, eine Transaktion abzuschließen, sondern gemeinsam mit den Lieferanten langfristig nachhaltigen Mehrwert zu schaffen. Im Einkauf spricht man in diesem Zusammenhang häufig von „Buying as a Service“.

Geeignete Produktkategorien identifizieren

Der erste Schritt besteht darin, Produktkategorien zu identifizieren, bei denen Product-as-a-Service einen echten Mehrwert bietet.

Häufig reagiert dieses Modell auf konkrete interne Herausforderungen, beispielsweise:

  • unzureichendes Asset Management,
  • hohe Abfallmengen,
  • hohe Investitionskosten,
  • Dekarbonisierungsziele,
  • steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz.

Einkaufsteams sollten daher zunächst eine Wirtschaftlichkeitsanalyse durchführen, um die vielversprechendsten Produktgruppen zu identifizieren.

Unser Tipp: Starten Sie mit einem Pilotprojekt, das nur ein geringes Risiko birgt, gleichzeitig aber einen hohen Mehrwert bietet. So lässt sich das Modell unter realen Bedingungen testen und bewerten.

Die Beschaffungsprozesse neu strukturieren

Im zweiten Schritt geht es um die praktische Umsetzung.

Beschaffungsteams sollten ihre Ausschreibungen neu gestalten und sich für innovative Beschaffungsmodelle öffnen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf funktionalen Spezifikationen: Nicht das Produkt selbst, sondern das gewünschte Ergebnis steht im Mittelpunkt.

Ein enger Dialog mit den Lieferanten spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Darüber hinaus sollten Einkäufer ihre Bewertungsinstrumente und Entscheidungskriterien anpassen. Hilfreich sind beispielsweise:

  • TCO (Total Cost of Ownership),
  • TCTO (Total Cost of Temporary Ownership),
  • Checklisten für funktionale Anforderungen,
  • Leistungskennzahlen und Service-Level-Vereinbarungen.

Verträge professionell gestalten

Die Vertragsgestaltung ist bei Product-as-a-Service komplexer als bei klassischen Kaufverträgen.

PaaS-Verträge müssen verschiedene Aspekte berücksichtigen, um eine langfristige Zusammenarbeit und eine gemeinsame Wertschöpfung sicherzustellen.

Ein Vertrag sollte insbesondere Folgendes regeln:

  • Verantwortlichkeiten für die bereitgestellten Anlagen und Produkte;
  • Umfang sämtlicher Dienstleistungen;
  • Liefergegenstände sowie die zugehörigen Key Performance Indicators (KPIs);
  • Anpassungsmechanismen;
  • Leistungs- und Verfügbarkeitsgarantien;
  • Regelungen für das Vertragsende;
  • Governance und Zusammenarbeit.

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Die Manutan Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, die Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells zu stellen.

Deshalb bieten wir ein umfassendes Portfolio an Dienstleistungen an, die darauf ausgerichtet sind, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern. Dazu gehören unter anderem:

  • Rücknahme und Wiederverwertung Ihrer Altgeräte,
  • Wartung und Reparatur,
  • Refurbishment as a Service,
  • Vermietung von Betriebsausstattung.

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Durch die konsequente Ausrichtung der Beschaffung auf die Nutzung statt auf den Besitz ermöglicht Product-as-a-Service (PaaS) die Verbindung von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, operativer Effizienz und einer zirkulären Wirtschaftsweise.

Nun liegt es an der Einkaufsfunktion, diesen Wandel aktiv zu gestalten und sich als strategischer Treiber nachhaltiger Wertschöpfung innerhalb des Unternehmens zu positionieren.

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