Das Lexikon der dekarbonisierten Beschaffung

Um eine Dekarbonisierungsstrategie wirksam umzusetzen, ist es entscheidend, die zugrunde liegende Fachterminologie vollständig zu verstehen. Dieses Glossar der dekarbonisierten Beschaffung unterstützt Ihre Einkaufsabteilung dabei, indem es zentrale Begriffe erläutert und zugleich relevante Normen, Methoden und bewährte Praktiken dieser Transformation aufzeigt. Von der Lebenszyklusanalyse bis hin zur Klimaneutralität bietet es einen umfassenden Überblick über die Konzepte und Instrumente, die notwendig sind, um sich im komplexen Umfeld der dekarbonisierten Beschaffung sicher zu bewegen.

Glossar des Einkaufswesens

C-Class-Beschaffung:

Als C-Teile-Beschaffung bezeichnet man einfache und/oder kritische Einkäufe, die im Durchschnitt etwa 5 % des gesamten Einkaufsbudgets eines Unternehmens ausmachen, jedoch rund 50 % der Anzahl an Unterkategorien (oder Beschaffungssegmenten) repräsentieren.

Maverick Buying:

Produkte und Dienstleistungen, die Unternehmen unregelmäßig und kurzfristig zur Bewältigung alltäglicher Ereignisse benötigen. Diese Beschaffungen erfolgen meist unter Zeitdruck und entsprechen häufig nicht der etablierten Einkaufsrichtlinie.

Versteckte Kosten:

Indirekte Kosten, die sich der Kontrolle der Einkaufsabteilungen entziehen und die Total Cost of Ownership (TCO) eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Projekts erhöhen. Dazu zählen unter anderem Kosten für Lieferantenmanagement, Wareneingang und Bereitstellung, Fehler, Retouren usw.

E-Invoicing:

Elektronische Rechnungsstellung.

E-Ordering:

Elektronische Bestellung.

E-Procurement:

Digitale Abwicklung von Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten zur Optimierung des Beschaffungsprozesses.

P2P (Procure-to-Pay):

Einkaufsprozess eines Unternehmens – auch als „Purchase-to-Pay“ bezeichnet – von der Produktsuche bis zur Bezahlung der Rechnungen.

Punch-Out:

Dynamischer elektronischer Katalog, der Unternehmen einen Echtzeit-Zugriff auf aktualisierte Angebote ermöglicht (Preise, Lagerverfügbarkeit, Lieferzeiten usw.).

S2P (Source-to-Pay):

Sourcing- und Beschaffungsprozess eines Unternehmens, der von der Lieferantensuche und -auswahl bis zur Rechnungszahlung reicht.

TCO (Total Cost of Ownership):

Berechnungsmethode zur Darstellung der Gesamtkosten eines Produkts oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Neben dem Anschaffungspreis werden u. a. Besitz-, Wartungs-, Qualitäts- und Entsorgungskosten berücksichtigt.

Der Klimawandel ist ein transformatives Thema für alle Organisationen. Sobald der Ausgangspunkt – die Treibhausgasbilanz – sowie die Dekarbonisierungspfade definiert sind, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, konkrete Lösungen zur Umsetzung ihrer Ambitionen zu realisieren. Die Reife der Dekarbonisierungstechnologien und ihre Skalierbarkeit sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren für die Energiewende, sofern sie an das jeweilige Geschäftsmodell und den Markt angepasst sind. – Maud Danel-Fédou, Partnerin und Expertin für Klima- & Dekarbonisierungsstrategie bei KPMG

Glossar zum Verständnis der dekarbonisierten Beschaffung

Verantwortungsvolle Beschaffung:

Ansatz zur Integration der Prinzipien der unternehmerischen Sozialverantwortung (CSR) in Einkaufsentscheidungen und -prozesse. Die internationale Norm ISO 20400 liefert hierzu Leitlinien.

Lebenszyklusanalyse (LCA):

Quantitative Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Definiert durch die internationalen Normen ISO 14040 und ISO 14044.

CO₂-Bilanz:

Vorgehen zur Erfassung der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens, eines Produkts oder einer Person im Rahmen einer Dekarbonisierungsstrategie.

Nachhaltige Lieferkette:

Lieferkette, in der Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) über den gesamten Prozess hinweg berücksichtigt werden – von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung an den Endkunden.

CO₂-Kompensation:

Auch als „CO₂-Beitrag“ bekannt; Praxis der Finanzierung von Projekten zur Reduktion, Abscheidung oder Speicherung von Kohlenstoff, um unvermeidbare Treibhausgasemissionen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette auszugleichen.

Dekarbonisierung:

Gesamtheit der Maßnahmen und Technologien zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks einer Organisation, um die Auswirkungen auf das Klima zu begrenzen.

Nachhaltige Entwicklung:

Wirtschaftlich effiziente, sozial gerechte und ökologisch tragfähige Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden.

Ökodesign:

Ansatz, bei dem der Umweltschutz bereits in der Entwicklungsphase von Produkten und Dienstleistungen und über alle Phasen ihres Lebenszyklus hinweg berücksichtigt wird.

Kreislaufwirtschaft:

Wirtschaftsmodell, das darauf abzielt, Produkte und Dienstleistungen nachhaltig zu produzieren und die Ressourcennutzung über den gesamten Lebenszyklus zu optimieren.

CO₂-Fußabdruck:

Kennzahl zur Messung der gesamten Treibhausgasemissionen, die durch eine menschliche Aktivität verursacht werden – auf Ebene einer Person, Organisation, eines Produkts oder einer Dienstleistung.

Erneuerbare Energien:

Energie aus natürlichen Quellen, die sich schneller erneuern, als sie verbraucht werden, z. B. Solar- und Windenergie.

Treibhausgase:

Gase in der Atmosphäre, die Wärme nahe der Erdoberfläche speichern. Ihre zunehmende Konzentration führt zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur.

GHG Protocol:

Internationales Rahmenwerk zur Messung und Steuerung von Treibhausgasemissionen aus Aktivitäten des privaten und öffentlichen Sektors.

Greenwashing:

Marketingpraxis, bei der ökologische Argumente irreführend kommuniziert werden, um ein umweltfreundliches Image zu erzeugen.

Umweltauswirkungen:

Positive und/oder negative Veränderungen der Umwelt, die durch ein Projekt, eine Organisation oder ein Produkt während seines gesamten Lebenszyklus verursacht werden.

Klimaneutralität:

Gleichgewicht zwischen verursachten CO₂-Emissionen und deren Aufnahme durch natürliche oder technische Kohlenstoffsenken.

ISO 26000:

Erster internationaler Standard, der Organisationen dabei unterstützt, Prinzipien der gesellschaftlichen Verantwortung in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

CSR (Corporate Social Responsibility):

Freiwilliger Ansatz von Unternehmen zur Integration sozialer und ökologischer Belange in ihre Aktivitäten und in die Beziehungen zu ihren Stakeholdern.

Scope 1:

Direkte Treibhausgasemissionen aus Quellen, die einem Unternehmen gehören oder von ihm kontrolliert werden.

Scope 2:

Indirekte Treibhausgasemissionen aus der Erzeugung von eingekaufter oder importierter Energie (Strom, Wärme, Kälte, Dampf).

Scope 3:

Sonstige indirekte, nicht energiebezogene Treibhausgasemissionen, die aus den Aktivitäten eines Unternehmens resultieren, jedoch aus Quellen stammen, die von anderen Unternehmen kontrolliert werden.

Umwelt-Impact-Score:

Kennzahl zur Bewertung der Umweltauswirkungen einer Aktivität, eines Produkts oder eines Prozesses.

Energiewende:

Transformation der Energieerzeugungs-, -verteilungs- und -verbrauchssysteme eines Gebiets zur Reduktion der Umweltbelastung.

Einkäufer sind heute gefordert, diese Konzepte in ihre Arbeit zu integrieren, um fundierte Entscheidungen zu treffen, wirksame Strategien zur Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks ihres Unternehmens umzusetzen und eine nachhaltige Lieferkette zu fördern. So leisten sie einen aktiven Beitrag zum Aufbau einer widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Zukunft für alle.

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